Punks und Skinheads in der DDR

Punk am Alexanderplatz März 1990

Punk am Ost-Berliner Alexanderplatz März 1990 (Foto: Klaus Oberst, Bundesarchiv, Bild 183-1990-0313-318, via Wikimedia Commons

Im Kontext eines sozialen Niedergangs ab Mitte der 70er Jahre formierte sich in den Großstädten Europas und Nordamerikas eine neue Form des Jugendprotests. Der rasante Abstieg althergebrachter Industriezweige und der damit einhergehende Anstieg der Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot sowie die Ausgrenzung ärmerer Bevölkerungsschichten, aber auch die Wiederaufrüstung im Zuge des sich in der letzten Phase befindlichen „Kalten Krieges“ verbanden sich in den Metropolen zu einem besonderen sozialen Zündstoff.

Dies führte zur Etablierung des Punk sowie der Skinheads – zwei neue Jugendkulturen – in England, wo sich die Perspektivlosigkeit angesichts der besonders drastischen Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise mit einem strengen Klassensystem verband. Während die überwiegend aus der Arbeiterschicht stammenden jugendlichen Skinheads bewusst ihre proletarische Herkunft betonten, rekrutierten sich die Punks über die Grenzen dieses Klassensystems hinweg. Innerhalb beider Gruppen entwickelten ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsbewusstsein. Das im Unterschied zur Hippiebewegung überwiegend negative Weltbild der Punks und Skinheads äußerte sich in zahlreichen Songs, wie dem zum Leitmotiv gewordenen „No Future“ der Sex Pistols.

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Der „leise Terror“ des MfS gegen Jürgen Fuchs

„Eigentlich wollte ich einmal nur Gedichte schreiben, vielleicht über die Liebe, die Natur. Wichtigeres drängte sich vor.“

– Jürgen Fuchs

Jürgen Fuchs 1990

Jürgen Fuchs 1990 (Foto: Kai Ammon, via Wikimedia Commons)

Der 1950 in Reichenbach geborene Lyriker und Prosa-Autor Jürgen Fuchs wurde bereits seit der 11. Klasse vom Staatssicherheitsdienst wegen seiner kritischen Äußerungen überwacht. Nach einem gemeinsamen Auftritt mit Bettina Wegner und Gerulf Pannach, dem Texter der Band Renft, wurde er aus der SED ausgeschlossen. Kurz vor dem Abschluss – die Diplomarbeit war schon mit „sehr gut“ bewertet worden – wurde Jürgen Fuchs wegen seiner Gedichte und Prosawerke vom Disziplinarausschuss der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Ausschluss von allen Universitäten, Hoch- und Fachschulen der DDR verurteilt und politisch zwangsexmatrikuliert. Nach Protesten gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns wird er am 19. November 1976 verhaftet und muss eine neunmonatige Haftstrafe in Berlin Hohenschönhausen verbüßen, bevor er zur Ausreise nach West-Berlin gezwungen und zahlreichen Zersetzungsmaßnahmen ausgesetzt wird.

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Manfred Stolpe – Mann der Kirche beim MfS oder MfS-Mitarbeiter in der Kirche?

Empfang der Kirchenleitung bei SED-Chef Erich Honecker (Foto: Peter Koard, Bundesarchiv, Bild 183-T0306-0025, via Wikimedia Commons)

Manfred Stolpe (Mitte) beim Empfang der Kirchenleitung bei SED-Chef Erich Honecker 1978 (Foto: Peter Koard, Bundesarchiv, Bild 183-T0306-0025, via Wikimedia Commons)

Kaum einer „Stasi-Enthüllung“ ist in der deutschen Öffentlichkeit eine ähnlich intensive und langanhaltende Aufmerksamkeit zuteil geworden, wie dem Fall des SPD-Politikers und ehemaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe. Dieser hatte nach der intensiven Berichterstattung über eine mögliche Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in seinem 1992 veröffentlichten Buch Schwieriger Aufbruch umfangreiche Kontakte zur Stasi eingestanden, zugleich aber vehement bestritten, Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des MfS gewesen zu sein. Seither sind jedoch zahlreiche Indizien für eine inoffizielle Zusammenarbeit Stolpes mit dem MfS recherchiert und von verschiedenster Seite nach zum Teil sehr unterschiedlichen Maßstäben bewertet worden. Zuletzt wurde die Kontroverse um seine Vergangenheit 2011 neu belebt. Hintergrund war ein Gutachten der Brandenburger Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, welches 20 Jahre nach den Stasiüberprüfungen im Brandenburger Landtag seinen Fall nochmals beleuchtete und Kritik am Umgang mit seiner Stasivergangenheit übte. Nichtsdestotrotz entzieht sich der „Fall Stolpe“ bis heute einem einhelligen Urteil. Gerade deshalb ist er aber besonders zur beispielhaften Darstellung der Probleme bei der Abgrenzung und Bewertung inoffizieller Zusammenarbeit mit dem MfS geeignet. Der vorliegende Artikel versteht sich dabei als ein Beitrag zur kritisch-differenzierten, und zugleich biographisch konkreten Auseinandersetzung mit Inoffiziellen Mitarbeitern. Zu diesem Zweck soll das Fallbeispiel Manfred Stolpes anhand eines allgemeinen Katalogs an Kriterien zur differenzierten Beurteilung der Stasi-Unterlagen ausgewertet und jene kritische Gesamtbeurteilung seiner Person nachgeholt werden, welche den Gutachtern der Enquete-Kommission 2011 mangels politischem Auftrag verwehrt blieb.

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